Ahauser Ratshotel
Coesfelder Str. 21-23
48683 Ahaus
Tel.: 02561-9110
Fax: 02561-911300
Essen im Dunkeln
So wars...
Am 3.4.2009 fand das lange geplante "Essen im Dunkeln" mit den Mitgliedern des Blinden- und Sehbegindertenverein Bocholt/Borken statt. Frau Bettina Flug-Stenner war als Journalistin anwesend und stellt uns hiermit freundlicherweise den Bericht für die "Münsterlandzeitung" zur Verfügung:

Nach dem Dinner im Dunkeln sorgte der Anblick des Vier-Gänge-Menus bei den Gästen für einiges Erstaunen.
Ahaus
„Das Auge isst mit“, dass dieses Sprichwort keine Binsenweisheit ist, erfuhren eindrucksvoll die Teilnehmer/innen des
„Dinner im Dunkeln“ am Freitagabend im Ahauser Ratshotel. Seit diesem Abend wissen sie, wie schwierig es ist, Champignons mit der Gabel
zum Mund zu transportieren, ohne zuvor einen Blick auf den Teller geworfen zu haben. Neu auch die Erkenntnis, dass manche Gemüsesorten
sich von anderen so gut wie gar nicht unterscheiden, wenn man sie vor dem Verzehr nicht hat sehen können.
Der Blinden- und Sehbehindertenverein Bocholt-Borken und die Crew des Ratshotels sorgten mit diesem Abend in völliger Finsternis für ein gastronomisches Event der besonderen Art. Mit schwarzer Folie war der Saal abgedunkelt, durch eine Schleuse, sicher geführt von einem Mitglied des BSV gingen die Gäste gruppenweise in den Saal und begannen, nachdem sie Platz genommen hatten, erst einmal zu ertasten, wo und wie Besteck und Gläser angeordnet waren. Die stark Sehbehinderten und Blinden übernahmen bei diesem Dinner nicht nur die Rolle der Kellner/innen, sondern gehörten auch zur Tischrunde. Freimütig gaben sie Auskunft über ihre Behinderung und vor allem darüber, wie sie die täglichen Herausforderungen in einer dunklen Welt meistern.
Wie anders die Geräuschkulisse empfunden wird, wie das Zeitempfinden sich verschiebt, wie sehr man sich auf Hilfe einlassen muss, wie eingeschränkt die anderen Sinne ohne visuelle Wahrnehmung werden, all das waren neue Erfahrungen für diejenigen, die sich für einige Stunden auf diese dunkle Welt einließen.
Für Sehende sonst selbstverständliche Dinge wurden in dieser Zeit zu Problemen. Wie voll ist das Glas, was liegt auf dem Teller und wo, ist alles aufgegessen? Diese Fragen waren in völliger Dunkelheit auf einmal gar nicht mehr selbstverständlich zu beantworten. Und das schmatzende Geräusch des Finger-Ableckens machte deutlich, das hier und da auf den plötzlich unhandlichen Gebrauch von Messer und Gabel schon mal verzichtet wurde...
Auch wenn mit fortschreitender Zeit die Umgebung immer vertrauter wurde, der Umgang mit dem Besteck immer einfacher wurde, irgendwann gingen die Lichter wieder an. So manches Aha-Erlebnis gab es, als Küchenchef Peter Geusendamm dann die angerichteten Teller des Vier-Gänge-Menus präsentierte. Auf großes Interesse stieß auch die kleine Ausstellung mit Hilfsmitteln für Blinde und Sehbehinderte, die die Sehenden nach dem Abend im Dunkeln buchstäblich mit anderen Augen betrachteten.
Einig waren sich zum Abschluss alle Beteiligten, dass das „Dinner im Dunkeln“ ein ganz besonderes Erlebnis war. Bei den Sehenden sorgte er für Hochachtung dafür, wie behinderte Menschen ihren Alltag bewältigen und wohl auch für Gefühle zwischen Erleichterung und Dankbarkeit dafür, dass für sie diese Erfahrung der dunklen Welt zeitlich begrenzt war.
Der Blinden- und Sehbehindertenverein Bocholt-Borken und das Ahauser Ratshotel sind sich einig: dieses tolle Ereignis wird wiederholt werden!
Voranzeige in der "Wochenpost" als
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